Netzperten
„Netzperten“ ist eine Kooperation des Kreisjugendring Rems-Murr e.V. und dem G-Recht e.V. aus Heidenheim. Im Projekt werden 40 Schüler der achten bis zehnten Klassen zu Experten des Internets ausgebildet. Risiken und Chancen des Internets werden gleichermaßen vermittelt.
Die ausgebildeten „Netzperten“ behalten ihre Fähigkeiten nicht für sich, sondern geben sie an Kinder der fünften und sechsten Klassen weiter.
Auch Lehrer und Eltern sollen von ihrem Wissen profitieren. Daher beinhaltet der Kurs einen ausführlichen methodischen Teil, in dem die Teilnehmer lernen, wie sie ihr Wissen vermitteln können. Teilnehmende Schulen sind das Georg-Büchner-Gymnasium, die Geschwister-Scholl-Realschule (beide Winnenden), das Schillergymnasium, die Freie Waldorfschule (beide Heidenheim) sowie die Grund-, Werkreal- und Realschule Sontheim.
Obwohl das Internet seit 20 Jahren existiert, reagiert die Sozialpädagogik erst seit kurzem mit Konzepten auf die Risiken des Internets. Auch erste Peer-to-Peer-Projekte, in denen Schüler Schüler über Gefahren aufklären, sind gestartet worden. Das Projekt „Netzperten“ geht jedoch weiter. Es berücksichtigt sowohl die Risiken, als auch die großen Chancen des Internets gleichermaßen.
Im Folgenden einige Überlegungen zu den Möglichkeiten und Gefahren des Internets:
- Das Internet ist ein völlig neuer Sozialraum, in dem Kinder und Jugendliche ihre Freundschaften pflegen, aber auch wo Einzelne öffentlich gemobbt und gedemütigt werden.
- Das Internet ist ein grenzenloser Kosmos von frei verfügbaren nützlichen Informationen, aber auch jugendgefährdenden, z.B. pornografischen, rechtsextremen oder die Magersucht verherrlichenden Inhalten.
- Das Internet ist ein Ort der Kooperation und Kreativität, wo Menschen von einander lernen und gemeinsam an Ideen arbeiten, aber auch ein Dschungel, wo Betrüger oder Pädophile lauern.
- Das Internet ist eine Schatztruhe mit kostenlosen Bildern, Musikstücken und Filmen aber auch ein Schwarzmarkt auf dem illegale Downloads angeboten werden.
Diese Liste ließe sich noch lange fortsetzen…
Eltern und Lehrer sind häufig machtlos, angesichts der hohen Kompetenz und Affinität ihrer Kinder gegenüber dem Internet. Nichtsdestotrotz sind sich Kinder und Jugendliche vieler Fallstricke im Internet nicht bewusst und verhalten sich im Netz sehr unbedarft. Zudem nutzen viele Minderjährige das Netz ausschließlich zu Kommunikations- sowie Unterhaltungszwecken und sind sich des kreativen Potenzials des Internets nicht bewusst.
Idee und Zielsetzung
Netzperten sind Jugendliche im Alter von 14 – 16 Jahren, die sich intensiv mit den kreativen, als auch problematischen Aspekten der Neuen Medien kritisch auseinandersetzen.
Sie sind Experten für Themen rund um das Internet und sind methodisch in der Lage ihr Wissen an Kinder (5. und 6. Klasse) sowie Eltern und Lehrer weiterzugeben.
Die Netzperten sind an ihrer Schule oder in ihrem Verein tätig, wo sie von Erwachsenen intensiv betreut werden.
Warum Peer-to-Peer-Pädagogik?
Die Grundidee der Peer-to-Peer-Pädagogik ist, dass Jugendliche und Kinder von einander lernen. Der Vorteil dieses Ansatzes ist, dass der „Lehrer“ die Lebenswelt des Schülers teilt und daher besonders glaubwürdig ist, wenn es um jugendrelevante Themen geht. Der Peer-to-Peer-Ansatz hat beim Thema Internet noch einen weiteren Vorteil: Unsere Jugendlichen sind „Digital Natives“, also in eine digitalen Welt Eingeborene, die einen selbstverständlichen Umgang mit Computern und dem Internet pflegen. Dadurch eignen sie sich Internetwissen schneller an als die in einer analogen Welt groß gewordenen Erwachsene.
Das Peer-to-Peer-Programm setzt darauf, dass sich die Schüler/innen untereinander intensiv mit und über Medien austauschen und darüber eine medienkritische Haltung entwickeln.
Ablauf
Die Jugendlichen nehmen im Rahmen der Ausbildung an fünf ganztätigen Veranstaltungen teil. Dabei finden je zwei Workshops in Winnenden und Heidenheim statt. Ein Treffen wird virtuell als Webinar durchgeführt.
Entwickelt und durchgeführt wird das Projekt von Norbert Möller (g-recht e.V., Heidenheim) und Robert Rymes (Kreisjugendring Rems-Murr e.V.). Unterstützt werden die beiden Sozialpädagogen von zahlreichen Experten:
Uli Seiler – Medienreferent aus Gerlingen
Dr. Andreas Knapp – Dozent für Medienrecht, Universität Tübingen
Staatsanwalt
Theaterpädagoginnen
Usw.
Die Inhalte der Veranstaltungen sind sehr breit gefächert. Hier einige Themenfelder:
- Schutz der Privatsphäre in Sozialen Netzwerken
- Cyberfreundschaft & Cybermobbing
- medienrelevantes Straf- und Privatrecht
- kreative Nutzung von freien Open-Source-Programmen & Online-Organizing
- Werte im Web
- Moderation und Präsentation
- praktische Umsetzung in der Schule
Wer nimmt teil?
Insgesamt nehmen 40 Jugendliche aus Winnenden und Heidenheim teil. Teilnehmende Winnender Organisationen sind:
Georg-Büchner-Gymnasium
Geschwister-Scholl-Realschule
SV Winnenden
Teilnehmende Heidenheimer Schulen sind:
Veranstalter der Projekte sind der Kreisjugendring Rems-Murr e.V. und der Heidenheimer Verein G-Recht e.V., der bereits seit 17 Jahren in der gewaltpräventiven Arbeit an Schulen tätig ist und schon zahlreiche Peer-to-Peer-Projekte erfolgreich durchgeführt hat.
